Moslems contra islamistische Extremisten

Die von Haus aus indonesische Organisation LibForAll lehnt unmissverständlich Gewalt und Unterdrückung ab. Das muslimische Netzwerk setzt sich für Freiheit in Religion und Lebensweise ein. Auch d

The bic mosque of Malang East Java
The bic mosque of Malang East Java

Die große Moschee von Malang in Ostjava am Abend.  Die gestuften Dächer javanischer Moscheen bewahren die Erinnerung an die hindu-buddhistischen Merus mit ihren gestuften Dächern.  Der Islam in Java hat seine Vorgänger-Religionen - Ahnenkult, Hinduismus und Buddhismus - in sich integriert.  

.  

Endlich - offene muslimische Stellungnahmen gegen Gewalt und Intoleranz.

Die Mehrheit der Moslems verhält sich friedfertig. Sie sieht sich dennoch dem Vorwurf ausgesetzt, offene Stellungnahmen gegen militante Islamisten zu vermeiden. Von der „schweigenden Mehrheit“ wird nicht völlig unbegründet erwartet, hin und wieder ein klares und unzweideutiges Wort der Distanzierung von sich zu geben.

Doch inzwischen haben sich, von der Öffentlichkeit des Westens zunächst kaum wahrgenommen, Netzwerke herausgebildet, dessen erklärtes Ziel es ist, einem Zusammenschluss aller friedliebenden und toleranten Kräfte innerhalb des Islam und eine Zusammenarbeit mit andern Religionen herbeizuführen.

Es geht darum

1. Den Extremisten die Stirn zu bieten und ihre Ausbreitung zu stoppen.

2. Den Islam in freiheitlichem Sinne zu entwickeln, so dass Moslems in der Lage sind in einer freiheitlichen Gesellschaft zu leben und deren Spielregeln anzuerkennen.  

Liberaler Islam - Indonesiens Islam im Focus

Unter diesem Titel lud die Friedrich Naumann Stiftung am 24.11.2010 zu einem Diskussions- und Filmabend ein.

Als Gast stellt der Programm-Direktor von LibForAll Kyai Haji Hodri Ariev ein Filmprogramm Lautan Wahyu (Ozean der Offenbarung) vor, das gezielt dem Extremismus entgegen gesetzt wird.

 

„Wenn Extremisten den Anspruch erheben, ihre Aktionen beruhten darauf, dass Gott (Allah) jeden Aspekt des menschlichen Lebens diktiere, so wird damit ganz offensichtlich ein theologischer Irrtum installiert, der unbedingt abzulehnen und zurückzuweisen ist. Weder eine spezielle Form von Staatlichkeit, noch von Festlegung von Religion sind erforderlich, damit sich gute Moslems herausbilden können. Alles was nötig ist, ist eine über sich selbst hinausweisende spirituelle Achtsamkeit, etwas so, dass man ständig die Anwesenheit Gottes im Herzen spüren mag („ihsan“ = was sich in praktizierter Mitmenschlichkeit äußert).

So gesehen stellen die Forderungen der Extremisten eine „Islamische Gesellschaft“ zu schaffen, indem sie die Sharia einführen oder einen islamischen Staat oder ein Kalifat gründen, nichts anders dar, als politische Manöver, die dazu dienen sollen ihre Machtergreifung zu gerechtfertigen.“
                             Kyai Haji Hodri Ariev, in seiner Schrift Illusion of an Islamic State

 

Karin Stadtlande, Vorsitzende der Deutsch-Indonesischen Gesellschaft Hamburg übersetzte. Dr. Ali Özgür Özdil, Islamic Scientific and Education Intitute, Hamburg, beantworte Fragen zur Situation der Moslems in der Bundesrepublik. Es moderierte David Henneberger.  

Der Film reiht Stellungnahmen , auch in Gebetsform, von meist indonesischen Moslems aneinander. Ergänzend kommen Christen, wie Professor Küng zu Wort. Eingeblendet werden Szene aus dem islamischen Leben, aber auch Hindus aus Bali, die Opfer darbringen und Christen, die die Messe feiern – im Kölner Dom!

Die Aussage des Filmes lässt sich so zusammenfassen.  

Islam kann man nicht im strengen Sinne als dogmatische Religion ansehen, sondern als eine Segnung Gottes für die Menschen – für alle Menschen. Insofern trifft dieser Segen auch die Nichtmoslems, kann aber auch an Leuten, die sich als Moslems bezeichnen, vorbeigehen. Gläubig sind alle Menschen, die Gott dankbar sind, ungläubig sind die, die sich nicht um ihre Mitmenschen kümmern.   Extremistische Gewalttäter missbrauchen den Islam. Gott hat von Anfang an die Menschen unterschiedlich geschaffen. Das gilt es anzuerkennen. Deshalb darf auch niemand gezwungen werden sich einer bestimmten Religion anzuschließen oder in der eine oder andern Richtung tätig zu werden. Der Segen Gottes – als Islam bezeichnet – ist für alle Menschen da, aber auch für alle andern Lebewesen.

Die Stiftung LibForAll

Gegründet wurde die LibForAll Foundation unmittelbar nach dem islamistischen Bombenanschlag in Bali vom 12. Oktober 2001. Einer der beiden Gründer war der unter dem Namen Gus Dur bekannte erste Präsident (1999-2001) des freien Indonesiens Kiay Haji Abdurrahman Wahid (geb. 1940, verstorben 30.12.2009). Lange Jahre wirkte er als Vorsitzender der muslimischen Partei NU (Nahdlatul Ulama).

Gus Dur, aus einem liberal muslimische Elternhaus stammend, zeichnet sich durch einen kämpferischen Einsatz für einen liberalen Islam und gegen jede Art von Extremismus aus. Ein kurzes Zitat:

„Kein objektiver Beobachte kann abstreiten, dass die pakistanische Gesellschaft – wie so manche andere in der muslimischen Welt – einen Prozess der Verrohung unterlegen ist unter dem Einfluss solcher (ihrer Antiblasphemie-) Gesetze. Das geschah in Zusammenwirken mit dem Aufkommen des religiösen Extremismus und des Verlustes an wahrhafter Spiritualität, ohne die die tiefgründige Bedeutung des Islam und sein eigentlicher Sinn dem menschlichen Verständnis unzugänglich bleiben muss.

Die berühmte Stelle im Koran: „Last keinen Zwang aufkommen in religiösen Dingen“ (2:256), nimmt 13 Jahrhunderte zuvor den Artikel 18 der Deklaration der Menschenrechte vorweg. Sie sollte für die muslimischen Gesellschaften als eine Quelle der Inspiration dienen, die sie auf den Pfad religiöser Freiheit und Toleranz geleitet.“

Dem kommunikativen Geschick von C. Holland Tailor, enger Freunde Gus Durs, Mitgründer und Geschäftsführer der LibForAll, einem zur Zeit in Indonesien ansässiger Islamexperten, ist zu verdanken, das die Organisation in den letzten Jahre in Südasien, dem nahen Osten, Nordafrika, Europa und den vereinigten Staaten Fuß fassen konnte. Das Rückgrad des Netzwerkes bilden allerdings die zwei in Indonesien aktiven Organisationen Nahdlatul Ulama und Muhammadiyah. Beide gehören mit jeweils 30 Millionen bzw. knapp 30 Millionen Mitgliedern zu den größten Muslimvereinigungen der Welt.

 

In einer Mail vom 23.11.10 versichert mir C. Holland Taylor:

„.....LibForAll ist dabei ein weltweites Rahmatan il Alami- (Segnung für die gesamte Schöpfung) Anti-Extremisten Netzwerk zu schaffen. Es soll herausragende moslemischen Meinungsführer auf den Feldern Religion, Erziehung, Popkultur, Regierungen, Wirtschaft und Medien zusammenführen. Alles Leute, die sich mit einer Stimme dem Bekenntnis anschließen, dass der radikale Islam theologisch ohne jede Grundlage ist. Dadurch wird die „große schweigende Mehrheit“ der maßvollen, friedliebenden Moslems mobilisiert, die Extremisten zurückzuweisen."

Zu LibForAll (Englisch) geht es >>> HIER LibForAll.

 

Puppet Performance of the Ramayana story (Yogyakarta).  The mythtological Hindu stories Ramayana and Mahabharata found their place within the Islamic society of Middle Java.
Puppet Performance of the Ramayana story (Yogyakarta). The mythtological Hindu stories Ramayana and Mahabharata found their place within the Islamic society of Middle Java.

Wayang Golek

javanisches Stabpuppenspiel.

Die Szene zeigte den heiligen General des Affenheres Hanuman aus

dem Epos Ramayana.  

Die beiden großen Hinduepen Ramayana und Mahbharata sind aus der vorislamischen Zeit über- und in die islamische Kultur Javas aufgenommen worden.

Einschlägige Stabpuppenspiele und Schattenspiele 

werden bei religiösen Feiern in Familie und Gesellschaft zelebriert.   Für den größten Teil der  Moslems in Java stellen die vorislamischen Traditionen einen festen Bestandteil ihrer Kultur und  ihres Lebens dar. 

In der Aussprache wurde bestätigt, das in Indonesien traditionell der tolerante Islam vorherrscht, das er aber Gefährdungen durch fremde Mächte, die über die Finnanzierung von neuen Moscheebauten Einfluss nehmen, gäbe. (Den Namen des Landes auf der arabischen Halbinsel zu nennen, wurde vermieden).

Mystik die Grundlage für universale Religiosität

Der Islam ist nach Indonesien über Gujarat (Nordindien) gekommen. Eine wichtige Rolle spielten dabei die mystisch orientierten Sufis. Die haben die älteren aus dem Ahnenkult und dem Hindu-Bhuddismus stammenden spirituellen Züge der indonesischen, speziell der javanischen Frömmigkeit nicht bekämpft, sondern auf ihnen aufgebaut. Diese spirituell mystische und somit aufs universal Menschliche ausgerichtete Form des Islam, ist das ideale Gegengewicht gegen die zerstörerischen fundamentalistischen Kräfte schlechthin. Es zielt ab auf die individuell Begegnungen mit dem Göttlichen und richtet sich damit gegen die Beengungen, wie sie einem die Anhänger steiler hierarchischer Strukturen aufzwingen wollen.

Nun ist aber doch unverkennbar, dass die Christen Europas sich in einer durchaus vergleichbaren Situation befinden. Auf der Suche nach einem Ausweg aus hierarchischer Dominanz und separatistischen Alleinvertretungsansprüchen, stoßen sie unweigerlich auf das Thema Vergeistigung von Religion in mystischem Sinne.

Insofern bietet sich natürlich LibForAll als interessanter Partner für alle, die sich als Kirche von unten empfinden, an – zunächst als Gesprächspartner, möglicherweise später auch als Aktionspartner.

Die deutsch-türkische Bewegung Alrahman 

Drei  Dinge sind mir bei dieser Bewegung, die ich erst vor kurzem entdeckt habe, besonders aufgefallen:

1.  Die Bewegung setzt sich sehr entschieden für die Deklaration der Menschenrechte ein.   

Das ist deshalb auffällig, weil die islamischen Religionsfunktionäre in ihrer Kairoer Menschenrechtserklärung eine Gegendeklaration gegenüber der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948 erstellt haben.  Die Kairoer Erklärung behandelt eben die verschiedenen Gruppen von Menschen  weder als gleich noch als gleichberechtigt.  Sie stellt außerdem die Menschenrechte unter den Vorbehalt der Sharia.  So gesehen ist die Auffasung, dass Menschenrechte und Islam vereinbar sind, ein gewaltiger Schritt hin zu einer Gemeinsamkeit der Religionen.   

2.   Die Bewegung bekämpft die Verfälschung der Religion, die durch die Religionsfunktionäre mit dem Ziel der Festigung ihrer Macht vorgenommen wurden.  Damit ist Alrahman durchaus mit der "Kirche von unten" und ihrer Kritik vorallem an der Funktionären der katholischen Kirche (aber auch mancher Evangelischen) durchaus zu vergleichen.  Auch das Jesusbuch von Günter Spitzing geht in die gleiche Richtung, ist aber noch etwas radikaler.    

3.   Es geht der Bewegung um die Liebe und nicht so sehr um Äußerlichkeiten.  Damit steht sie in einer urislamischen Tradition , wie sie zum Beispiel von der Prophetin Rabía vertreten wird.  

 

Heilmittel für desorientierte Jugendliche

Der liberale Islam dieser Art eignet sich durchaus dazu desorientierten Jugendlichen (zum Beispiel mit türkischem Hintergrund) eine geistige Heimat zu bieten. Es kann allerdings nur in Verbindung mit einer Pädagogik funtionieren, die sowohl intellektuelle als auch emotionelle Sensibilität fördert. Das wir nicht ganz einfach sein, aber es ist eben jetzt doch möglich ein tragfähiges Angebot zu machen. Bisher hat es das noch nicht gegeben.

Zugleich ist es aber - und darauf wies Dr. Özdil in der Diskussion hin – von entscheidender Bedeutung, dass der erwähnte Kreis von Jugendlichen auch echte Bildungs- und Berufschancen erhält und motiviert wird sie zu nutzen. Wenn die Jugendlichen im Zustand enttäuschter Hoffnungslosigkeit verharren, dann stellen sie ein Rekrutierungspotenzial für extremistische Gruppierungen aller Art dar. Die Ideologie dahinter spielt dann keine Rolle, Hauptsache sie „legitimiert“ dazu die eigen Gewaltbereitschaft auszutoben.  

Ich persönlichwerde von einer gewissen Euphorie – darüber nämlich, dass offensichtlich aus dem Islam heraus Selbstheilungskräfte erwachsen. Sie haben auch jetzt schon an Boden gewonnen u.a. gerade auch in dem Land, in dem mit Abstand die meisten Moslems wohnen. Und das gilt es nun wirklich nicht zu unterschätzen.

Günter Spitzing

 

Sunset behind the Bosporus.  In the Background Istanbul with the great Mosque Sulaimanie.
Sunset behind the Bosporus. In the Background Istanbul with the great Mosque Sulaimanie.

Sonnen-untergang hinter dem Bosporus mit Blick auf Istanbul und die Sulaimanie Moschee.

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Von KATHARINA CEMING.  Weitere Infos:  Aufs Bild drücken!
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